Guten Tag!

 

Sie interessieren sich für unser Boot, eine Belliure 50, einen kleinen Bermuda-schoner, der heute - nach rund 30 Jahren seit seines Stapellaufs - zumindest in Spanien schon als Klassiker gilt.

Das verdankt das Boot nicht nur seinen klassischen Linien und Innenausbau, sondern auch dem guten Ruf der Werft Astilleros Belliure, die heute dem Markt folgend fast nur noch Motorboote baut. So ist die 50-Fuß- Belliure in der Form des Seglers heute tatsächlich eine Rarität.1

Unser Boot trägt die Baunummer 5 und wurde zur Messe in Barcelona Ende 1981 fertiggestellt. Es gibt sogar ein Bild im Büro der Werft, das den König Spaniens an Bord zeigt.

Aber das sei nur am Rande erwähnt. Im Gegensatz zu späteren Baunummern, ist unser Boot ein Segelboot, wenngleich mit einem 120 PS 6-Zylinder Volvo TMD40A gut motorisiert.2


 

Wir haben unseren kleinen Schoner immer gerne gesegelt: Aufgrund seiner rund 22 Tonnen hat er eine gewisse Masse, mit der er ruhig durch kleinere Wellen schiebt. Und die runden Linien sorgen auch bei mehr Seegang für weiche Bewegungen. In der Plicht sitzt man trocken und geschützt, obwohl wir keine Reelingskleider verwenden. Nur bei Regen haben wir manchmal eine Sprayhood vermisst, die den Niedergang trockener hält.

 

 

 

Die Segelfläche von rund 160 m² am Wind verteilt sich auf den Klüver (ca. 70 m²), die Stagfock (ca. 27 m²), den Groß- (ca. 30 m²) und den Schonermast (ca. 33 m²). – Wir haben den achteren Mast immer Schonermast genannt, auch wenn dieser eigentlich der Großmast ist. Mit der Segelaufteilung ist man sehr flexibel was die Anpassung an die Windverhältnisse angeht:

 

Denn der Klüver wird auf einer Reckmann- Rollanlage gefahren3, während Groß- und Schonersegel jeweils dreifach zu reffen sind. Dazu kann die Stagfock ab etwa 6-7 Windstärken gegen die Sturmfock von ca. 10 m² getauscht werden. Und falls es noch dicker kommt, gibt es noch eine kleine 3- m²-Sturmfock, die wir schon einmal als Trysegel verwendet haben. Für schönes Wetter und konstanten Wind gibt es auch noch den „Golly Wobler", der das Trapez zwischen den Masten ausfüllt und die Segelfläche nochmal um rund 30 m² vergrößert.

 

 

1 2012/13 erhielt der Rumpf eine Osmoseprophylaxe mit 5-jähriger Garantie.

2 Die Maschine hat rund 1.700 Betriebsstunden und wurde etwa bei 1.200 Betriebsstunden durch die Werft
Belliure ausgebaut und überholt.

2012/13 wurde ebenfalls eine größere Wartung durch Astilleros Rico vorgenommen.

3 Das Klüverstag wurde zum Ende der Segelsaison 2012 ausgetauscht. Dabei kamen auch die Masten herunter,
wurden gemalt und mit einer neuen UKW-Antenne und neuem Rundumlicht versehen.

 

Alle Schoten und Fallen laufen auf gut dimensionierten LEWMAR-Winschen.

 

Kommt man an Bord, sieht man fast nur Holz: Das Teakdeck bestimmt den ersten Eindruck, auch wenn nicht verschwiegen werden soll, dass die Pop- pen über den Schrauben jetzt alle loskommen. Das Deck ist aber wohl immer noch 5-6 mm stark.

Geht man aus der geräumigen und mit gut dimensionierten Lenzrohren versehenen Plicht den Niedergang hinunter, erreicht man den Salon, der sich mit Tisch und geräumiger Sitzecke an Steuerbord befindet.

Der Sitzecke gegenüber befindet sich die Navigationsecke und ein kleiner Utensilienschrank, der Werkzeug, Farben und ähnliches enthält. Nach Backbordachtern geht es durch die Pantry in die Eignerkabine, die über ein eigenes Bad verfügt (Dusche, WC, Waschbecken).

Pantry und Eignerbereich verfügen über Bullaugen, die geöffnet werden können.

Geht man vom Salon aus nach vorne, liegen rechts und links von einem Mittelgang Kabinen mit jeweils zwei Stockbetten und Stauraum für Kleidung etc.

Weiter nach vorn schließt sich an Backbord ein WC-Raum an, den wir aber als Segellast und zum Stauen für dies und das verwenden. Diesem gegenüber liegt ein zweites Bad (Dusche, WC4, Waschbecken). Beide Räume verfügen über ein Bullauge, das geöffnet werden kann.

Im Oktober 2012 ist ein neuer Gasherd an Bord gekommen. Und schließlich ist das Vorschiff als V-förmige Doppelkoje ausgebaut.

In der Pantry an Backbord findet sich alles, was für eine gute Bordküche notwendig ist: Stauraum für Lebensmittel, 2 Kühlschränke, eine Arbeitsfläche, ein Waschbecken und ein dreiflammiger halbkardanisch aufgehängter Gasherd5, in dessen Backofen auch ein Fisch gegart oder Rosmarinkartoffeln gebrutzelt werden können.

Zwei kleine zu öffnende Bullaugen sorgen dafür, dass der Dunst abziehen kann, und ein stabiler Handlauf, der die ganze Arbeitsfläche entlang läuft, gibt sicheren Halt.

 

 

  

4WC wurde 2013 durch ein neues Pump-WC ersetzt.

5 Der Herd auf dem Bild ist noch der alte. Im Oktober 2012 ist ein neuer Gasherd an Bord gekommen.

 

Allgemeines

Für sicheres Ankern sorgen zwei Hauptanker, die links und rechts vom Bugspriet gelagert sind: Ein 35 kg Pflugscharanker mit 15 Meter Kettenvorlauf und rund 80 m Tau und ein 45-kg Stockanker mit 80 m Kette.

Zusätzlich gibt es einen Warpanker und einen Ersatz-Pflugscharanker von 35 kg Gewicht.

Das Hieven des Ankers besorgt eine elektrische Vetus-Ankerwinsch mit horizontalem Spillkopf (links Tau, rechts Kette), die aber auch manuell bedient werden kann.

Wir sind mit der BELLIURE längere Strecken gesegelt, weshalb die Wasservorräte6 mit rund 1500 Litern und die Dieselvorräte mit rund 800 Litern beruhigend dimensioniert sind. Da die Maschine lediglich 4 bis 5 Liter pro Stunde verbraucht, haben wir keinen Generator eingebaut, sondern die Batterien7 über die Alternatoren geladen.

Es gibt ein 12-V-Netz, ein 24-V-Netz und ein 220-V-Netz, wenn der Landanschluss hergestellt ist.
Warmwasser wird über 220 V und/oder über einen Wärmetauscher erzeugt; der Boilerinhalt beträgt 50 Liter.

Das Boot wurde regelmäßig im Frühjahr aufgeslippt und gewartet.

Am Boot ist alles solide dimensioniert, die Segel sind zwar nicht mehr neu aber noch gut in Schuss (selbst die kleinen roten und grünen Wollfäden wehen noch fröhlich im Wind), die Maschine hat rund 1700 Stunden auf dem Buckel und wurde bei 1200 Std. von der Werft ausgebaut und generalüberholt. Fürs bessere und schnellere Segeln gibt es einen Drehflügelpropeller, wem das Rudergehen zu lange wird, kann den VDO-Autopiloten einschalten, für den Landgang gibt’s einen kleinen Zodiac Cadett 285 S und einen 4 PS Yamaha – es ist alles da um Auszulaufen. Siehe Ausrüstungsliste.

Sollte noch erwähnt werden, dass das Boot durch viel Teakholz und den schwarzen Rumpf fast vergessen macht, dass es ein GFK-Schiff ist und viel Atmosphäre hat.

 


Wer beim Segeln eher traditionell und auf Touren eingestellt ist und von klassischen Booten träumen kann, findet in der Belliure 50 ein wirklich schönes Schiff, von dem ich mich zugegeben auch ungern trenne.

Nachdem es in den Fußnoten erwähnt ist, sei es auch an dieser Stelle noch kurz hervorgehoben: Das Boot stand Aug. 2012 bis Mai 2013 bei Alicante um überholt zu werden.

Neben der Osmoseprophylaxe wurde das hölzerne Schiebeluk überarbeitet (war zuletzt undicht), die Maschine gewartet, die Sternbuchse der Wellenlagerung ausgetauscht, die Masten überprüft und der Gasherd getauscht und ein Bord-WC ersetzt. Daneben wurde das Klüverstag erneuert.

 

6Die Wassertanks brauchen eine gute Innenreinigung und eventuell eine Lackierung.

7Die Starterbatterien sind 2012 neu ins Boot gekommen (AGM-Batterien); einer der 24-V-Blöcke wurde 2011 erneuert, der zweite Block wurde im Frühjahr 2014 erneuert.