Das Boot:

Ein schönes, solides und wirlich seetüchtiges Boot mit einem Schonerrigg und kräftiger Maschine. Heute - rund 35 Jahren nach seinem Stapellauf - gilt das Boot mit Recht schon als Klassiker.




Das verdankt das Boot nicht nur seinen klassischen Linien und dem schönen Innenausbau, sondern auch dem guten Ruf der Werft Astilleros Belliure, die den prämierten Entwurf von Peter Ibold in bester handwerklicher Bootsbautradition umsetzte. So ist die 50-Fuß-Belliure in der Form des Seglers heute tatsächlich eine Rarität. Unser Boot trägt die Baunummer 5 und wurde zur Messe in Barcelona Ende 1981 fertiggestellt. Es gibt sogar ein Bild im Büro der Werft, das den König Spaniens an Bord zeigt. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
Im Gegensatz zu späteren Baunummern, ist unser Boot ein Segelboot, wenngleich mit einem 124 PS 6-Zylinder Volvo TMD40A gut motorisiert.
Wir haben unseren kleinen Schoner immer sehr gerne gesegelt: Aufgrund seiner rund 22 Tonnen hat er eine gewisse Masse, mit der er ruhig durch kleinere Wellen schiebt. Und die runden Linien sorgen auch bei mehr Seegang für weiche Bewegungen.
In der Plicht sitzt man trocken und geschützt, obwohl wir keine Relingskleider verwenden. Nur bei Dauerregen haben wir manchmal eine Sprayhood vermisst, die den Niedergang trockener hält.

Die Segelfläche von rund 160 qm am Wind verteilt sich auf den Klüver (ca. 70 qm), die Stagfock (ca. 27 qm), den Groß- (ca. 30 qm) und den Schonermast (ca. 33 qm). (Wir haben den achteren Mast immer Schonermast genannt, auch wenn dieser eigentlich der Großmast ist.)

Mit der Segelaufteilung ist man sehr flexibel was die Anpassung an die Windverhältnisse angeht:
Denn der Klüver wird auf einer Reckmann- Rollanlage gefahren, während Groß- und Schonersegel jeweils dreifach zu reffen sind. Dazu kann die Stagfock ab etwa 6-7 Windstärken gegen die Sturmfock von ca. 10 qm getauscht werden. Für schönes Wetter und konstanten Wind gibt es auch noch den "Golly Wobler", der das Trapez zwischen den Masten ausfüllt und die Segelfläche nochmal um rund 30 qm vergrößert.
Alle Schoten und Fallen laufen auf gut dimensionierten LEWMAR-Winschen.

Kommt man an Bord, sieht man fast nur Holz: Das Teakdeck bestimmt den ersten Eindruck, auch wenn nicht verschwiegen werden soll, dass die Poppen über den Schrauben jetzt alle loskommen. Das Deck ist aber immer noch ca. 6 mm stark. Geht man aus der geräumigen und mit gut dimensionierten Lenzrohren versehenen Plicht den Niedergang hinunter, erreicht man den Salon, der sich mit Tisch und geräumiger Sitzecke an Steuerbord befindet.


Der Sitzecke gegenüber befindet sich die Navigationsecke und ein kleiner Utensilienschrank, der Werkzeug, Farben und ähnliches enthält



Nach Backbord-achtern geht es durch die Pantry in die Eignerkabine, die über ein eigenes Bad verfügt (Dusche, WC, Waschbecken). Pantry und Eignerbereich verfügen über Bullaugen, die geöffnet werden können.



Geht man vom Salon aus nach vorne, liegen rechts und links von einem Mittelgang Kabinen mit jeweils zwei Stockbetten und Stauraum für Kleidung etc.


Weiter nach vorn schließt sich an Backbord ein WC-Raum an, den wir aber als Segellast und zum Stauen für dies und das verwenden. Diesem gegenüber liegt ein zweites Bad (Dusche, WC , Waschbecken). Beide Räume verfügen über ein Bullauge, das geöffnet werden kann. Und schließlich ist das Vorschiff als V-förmige Doppelkoje ausgebaut.



In der Pantry an Backbord findet sich alles, was für eine gute Bordküche notwendig ist: Stauraum für Lebensmittel, 2 Kühlschränke, eine Arbeitsfläche, ein Waschbecken und ein dreiflammiger halbkardanisch aufgehängter Gasherd (neu in 2012, das Foto zeigt noch den alten Herd), in dessen Backofen auch ein Fisch gegart oder Rosmarinkartoffeln gebrutzelt werden können. Zwei kleine zu öffnende Bullaugen sorgen dafür, dass der Dunst abziehen kann, und ein stabiler Handlauf, der die ganze Arbeitsfläche entlang läuft, gibt sicheren Halt.

Für sicheres Ankern sorgen zwei Hauptanker, die links und rechts vom Bugspriet gelagert sind: Ein 35-kg-Pflugscharanker mit 15 Meter Kettenvorlauf und rund 80 m Tau und ein 45-kg-Stockanker mit 80 m Kette. Zusätzlich gibt es einen Warpanker und einen Ersatz-Pflugscharanker von 35 kg Gewicht.





Das Hieven des Ankers besorgt eine elektrische Vetus-Ankerwinsch mit horizontalem Spillkopf (links Tau, rechts Kette), die aber auch manuell bedient werden kann. Wir sind mit der BELLIURE längere Strecken gesegelt, weshalb die Wasservorräte mit rund 1300 Litern und die Dieselvorräte mit rund 800 Litern beruhigend dimensioniert sind. Da die Maschine lediglich 4 bis 5 Liter pro Stunde verbraucht, haben wir keinen Generator eingebaut, sondern die Batterien über die Alternatoren geladen.
Für die Stromversorgung gibt es ein 12-V-Netz (Navigationsgeräte), ein 24-V-Netz (Bordverbraucher) und ein 220-V-Netz, wenn der Landanschluss hergestellt ist. Warmwasser wird über 220 V und/oder über einen Wärmetauscher erzeugt; der Boilerinhalt beträgt 50 Liter.
Das Boot wurde regelmäßig im Frühjahr aufgeslippt und gewartet. Am Boot ist alles solide dimensioniert, die Segel sind zwar nicht mehr neu aber noch gut in Schuss (selbst die kleinen roten und grünen Wollfäden wehen noch fröhlich im Wind), die Maschine hat rund 2.150 Stunden auf dem Buckel und wurde bei 1200 Std. von der Werft ausgebaut und generalüberholt. Fürs bessere und schnellere Segeln gibt es einen Drehflügelpropeller, wem das Rudergehen zu lange wird, kann den VDO-Autopiloten einschalten, für den Landgang gibt's einen kleinen Zodiac Cadett 285 S und einen 4 PS Yamaha - es ist alles da um Auszulaufen. Siehe Ausrüstungsliste.
Bleibt noch zu erwähnen, dass das Boot durch das Teakholz und den schwarzen Rumpf viel Atmosphäre hat, die vergessen lässt, dass es ein GFK-Schiff ist.

Wer beim Segeln eher traditionell eingestellt ist, sicher und ruhig Touren segeln will und von klassischen Booten träumt, findet in der Belliure 50 ein wirklich schönes Schiff, von dem ich mich zugegeben auch ungern trenne. Aber meine Vorstellungen gehen in Richtung Einhandsegeln und damit zu einem kleineren Boot.
Da die BELLIURE 50 einen zwar soliden mit Mattren im handauflegeverfahren gebauten Rumpf hat, sei kurz auf das Thema Osmose eingegangen: Das Boot stand April 2018 bis Oktober 2018 in Alicante an Land, das es Verdachtsmomente auf Osmoseanfänge gab.

Die Arbeit wurde mit JOTUN-Produkten von der Werft Asstilleros Rico durchgeführt.
Und da wir gerade bei der Wartung sind:
In 2012 wurde die Sternbuchse der Wellenlagerung ausgetauscht, die Maschine überholt, die Masten heruntergenommen und überprüft, der Gasherd getauscht und ein Bord-WC ersetzt. Daneben wurde in 2012 auch das Klüverstag erneuert. Und schließlich hat das Boot seit dem Sommer 2017 auch eine Persenning, die das ganze Boot "einhaust".